Kurzfassung
Der Artikel behandelt die wichtigsten Kriterien für die Auswahl eines geeigneten Wellensittichkäfigs. Er legt Wert auf ausreichende Größe, insbesondere in Abhängigkeit vom Freiflug, den richtigen Gitterabstand, waagerechte und ungiftig beschichtete Gitterstäbe sowie sinnvolle Türen und eine herausziehbare Bodenschale.
Eine Suche in diversen Onlineshops nach einem Wellensittichkäfig bringt leider jede Menge ungeeignete Modelle hervor. Auch ich habe am Anfang eher auf die richtigen Ausmaße geachtet und mich auf die Aussage verlassen, dass dieser für Wellensittiche geeignet sei. Das Ergebnis meines ersten Kaufes habe ich inzwischen entsorgt, da es nicht mal als Quarantänekäfig wirklich geeignet ist.
Wenn man mal davon absieht, dass einer dieser eigentlich nicht groß genug sein kann, gibt es außerdem noch einige wichtige Punkte, die man beachten muss.
- Gitterabstand von 10-12mm
- Gitterstäbe müssen waagrecht (quer) verlaufen
- ungiftige Beschichtung der Gitterstäbe (kein Kunststoff, keine verzinkten Stäbe usw.)
- keine sehr hellen oder glänzenden Gitterstäbe (Lichtreflexionen!)
- große Türen an der Vorderseite
- Türen an den Seiten
- keine festen Öffnungen für Futternäpfe
- stabile herausziehbare Bodenschale
- kein (bzw. ein entfernbares) Bodengitter
Was gibt es zu beachten?
Allgemein
Ein geeigneter Käfig ist kein Ersatz für Freiflug, sondern in erster Linie ein Schlaf-, Futter- und Rückzugsort. Wellensittiche benötigen täglich viel Platz zum Fliegen, Klettern, Erkunden und für den Kontakt zu ihren Artgenossen.
Beim Kauf zählen deshalb nicht nur die Außenmaße. Wichtig sind primär eine große Flugstrecke in der Breite, sichere Gitter, eine praktische Reinigung und eine Einrichtung, die den Vögeln Bewegung und Beschäftigung ermöglicht.
Eine aktuelle tiermedizinische Arbeit der LMU München betont ebenfalls, dass ausreichend Platz, Freiflug, Sozialkontakt und eine abwechslungsreiche Umgebung wichtige Bausteine einer guten Wellensittichhaltung sind.
Größe
Grundsätzlich gilt, dass ein Wellensittichkäfig möglichst groß sein sollte, wobei vor allem die Breite ausschlaggebend ist, da Wellensittiche natürlich überwiegend waagerecht fliegen.
Abgesehen davon ist der zur Verfügung stehende Freiflug ausschlaggebend.
Hier einige Richtwerte:
- Täglich viel Freiflug bzw. 24 h am Tag: mindestens 60–80 cm Breite
- Wenig bzw. nur gelegentlich Freiflug: mindestens 100 cm Breite
- Kaum bzw. kein Freiflug: mindestens 150 cm Breite
Diese Werte sind selbstverständlich nur Untergrenzen und keine Idealmaße. Ein Käfig mit 80 cm Breite ist nur dann vertretbar, wenn die Wellensittiche wirklich täglich und über viele Stunden sicher im Zimmer fliegen können.
Zudem sollte der Käfig außerdem ausreichend tief und hoch sein, damit Sitzäste, Futterplätze und Beschäftigung sinnvoll untergebracht werden können, ohne die Flugstrecke zu blockieren.
Käfiggitter
Ein besonders wichtiger Aspekt beim Gitter ist der richtige Gitterabstand von 10–12 mm, da sich die Wellensittiche bei einem zu geringen Abstand beim Klettern Füße oder Schnabel einklemmen und bei einem zu großen Abstand versuchen könnten, den Kopf hindurchzustecken.
Da Wellensittiche gut und gerne klettern, müssen die Gitterstäbe unbedingt waagerecht, also quer, verlaufen. Es ist für diese sehr frustrierend, wenn sie an senkrechten Stäben hochklettern wollen und kurz bevor sie mit dem Schnabel die nächste Querstrebe erreichen, den ganzen oder halben Weg wieder hinunterrutschen.
Nachdem Wellensittiche gerne an allem nagen, also auch an den Gitterstäben, sollten diese über eine ungiftige Beschichtung verfügen. Eine Kunststoffbeschichtung kann z. B. einem Wellensittichschnabel nicht standhalten und es besteht die Gefahr, dass diese kleine Plastikteile verschlucken. Andere Materialien, wie z. B. verzinkte Stäbe, können im schlimmsten Fall zu Vergiftungen führen.
Sehr helle oder gar glänzende Gitterstäbe sind zwar für Wellensittiche nicht gefährlich, aber die Lichtreflexionen daran können diese irritieren oder manchmal vielleicht sogar erschrecken. Zudem darf man auch nicht außer Acht lassen, dass solche Gitterstäbe auch auf das menschliche Auge störend wirken. Bei einem Blick in den Käfig fallen z. B. Gitterstäbe in dunklem Grau kaum auf, wobei bei einem hellen Weiß die Gitterstäbe im Vordergrund stehen und nicht die Vögel.
Besonders muss man auf Verarbeitungsfehler achten: Es dürfen keine scharfen Kanten, abstehenden Drähte, Lücken oder locker sitzende Teile vorhanden sein.
Große Käfigtüren
Ein guter Käfig erleichtert nicht nur den Vögeln den Alltag, sondern auch die Pflege.
Der Wellensittichkäfig muss auf der Vorderseite mindestens eine große Tür an der Vorderseite haben, durch die man jede Ecke des Käfigs mit der Hand erreichen kann.
Ausreichend große Türen an den Seiten erleichtern zum einen den Zugang zu wichtigen Bereichen und zum anderen ermöglichen sie es, z. B. ein Vogelbad anzubringen, ohne die vordere Tür zu blockieren.
Von festen (v.a. nicht verschließbaren) Öffnungen für Futternäpfe u.ä. im Gitter rate ich ab, da man dann zwingend auf das nicht empfehlenswerte Plastikzubehör des Herstellers angewiesen ist.
Herausziehbare Bodenschale
Der Nutzen einer herausziehbaren Bodenschale dürfte auf der Hand liegen. Wohl kaum jemand möchte beim Wechsel des Vogelsandes zur Schaufel (oder zum Staubsauger?!?) greifen müssen, um diesen mühsam herauszuholen.
Allerdings ist es wichtig, dass man das Bodengitter entfernen kann, wenn ein solches vorhanden ist. Für Wellensittiche ist es wichtig, dass sie auch auf den Boden gelangen können, um dort z. B. im Vogelsand picken zu können1Die Aufnahme von Vogelsand und Grit hilft den Wellensittichen bei der Verdauung.
Was sind Kriterien für ungeeignete Käfige?
Von folgenden Käfigformen oder Ausstattungen ist dringend abzuraten:
- Runde Käfige: Sie bieten keine klare Orientierung, kaum Flugstrecke und sind schlecht einzurichten.
- Käfige mit überwiegend senkrechten Gitterstäben: Sie erschweren das Klettern.
- Modelle mit zu großem oder zu engem Gitterabstand. (<> 10–12 mm)
- Käfige mit festem Bodengitter, das sich nicht entfernen lässt.
- Käfige mit kleinen Türen, durch die Reinigung und Versorgung schwierig werden.
- Käfige mit vielen festen Öffnungen für spezielle Plastiknäpfe: Sie schränken die Auswahl geeigneter Futter- und Wassernäpfe unnötig ein.
- Stark glänzende oder schlecht verarbeitete Gitter.
- gesundheitsschädliche Beschichtung der Gitterstäbe (z. B. verzinkt oder Kunststoff)
- Käfige, die durch Spielzeug, Schlafhäuschen oder zu viele Sitzstangen so vollgepackt sind, dass keine freie Flugstrecke bleibt.
Schlafhäuschen, Nistkästen und ähnliche dunkle Höhlen gehören nicht in den normalen Wellensittichkäfig, da sie die Brutstimmung fördern können.
Was ist bei der Einrichtung zu beachten?
Auch der beste Käfig wird erst durch eine geeignete Einrichtung zu einem angemessenem Lebensraum. Die LMU-Studie zählt neben dem Platzangebot unter anderem Sitzmöglichkeiten, Bademöglichkeiten, Beschäftigung, Freiflug und Sozialkontakt zu den wichtigen Bereichen einer tiergerechten Haltung.
Für die Grundausstattung eignen sich:
- Naturäste in verschiedenen Stärken statt gleich dicker Rundholzstangen
- Mehrere Futterplätze, besonders bei mehreren Wellensittichen
- Eine Bademöglichkeit, falls keine externe Möglichkeit im Zimmer existiert.
- Knabber- und Beschäftigungsmaterial aus sicheren Naturmaterialien
- Freie Bereiche zum Flattern und kurzen Fliegen im Käfig
- Ein ruhiger Schlafplatz ohne Zugluft, Küchendämpfe oder dauerhafte Störungen
Sitzäste sollten so angebracht sein, dass Kot nicht in Futter- oder Wassernäpfe fallen kann. Die längste freie Strecke im Käfig sollte möglichst frei bleiben.
Checkliste vor dem Kauf
- Ist er vor allem breit und bietet eine freie Flugstrecke?
- Bekommen die Vögel zusätzlich täglich sicheren Freiflug?
- Beträgt der Gitterabstand etwa 10 bis 12 mm?
- Gibt es waagerechte Gitterstäbe zum Klettern?
- Sind Gitter, Beschichtung und Verarbeitung sicher und ungiftig?
- Hat dieser mindestens eine große, gut erreichbare Fronttür?
- Lässt sich die Bodenschale leicht herausziehen?
- Kann ein Bodengitter entfernt werden?
- Ist genügend Platz für Naturäste, Futter, Wasser und Beschäftigung vorhanden?
- Bleibt trotz Einrichtung eine freie Bewegungsfläche?
Die Auswahl sollte nicht danach getroffen werden, ob dieser als „Wellensittichkäfig“ beworben wird, sondern nach den tatsächlichen Maßen, der Verarbeitung und der Frage, ob die Vögel darin klettern, fressen, ruhen und sich kurz bewegen können – mit täglichem Freiflug als unverzichtbarer Ergänzung.
Beispiele für geeignete Käfige
Ich habe gute Erfahrungen mit der Firma „Montana Cages“ gemacht und auch mein jetziger Wellensittichkäfig stammt von dieser. Dieser ist nicht nur sehr stabil und verfügt über eine ungiftige Beschichtung der Gitterstäbe, sondern ich habe auch problemlos einen Ersatz für ein beschädigtes Frontgitter (defekte Lötstelle) erhalten.
Mein Käfig stellt allerdings aufgrund eines akuten Platzmangels eher die Untergrenze bezüglich der Größe dar und setzt die Möglichkeit von 24 h/Tag‑Freiflug voraus.
- Montana Cages – Paradiso 60 (60 × 60 × 124 cm)
Geeignetere Käfige:
Diese entsprechen in der Breite nicht den gängigen Empfehlungen und setzen somit die Möglichkeit zum Freiflug voraus. Ohne Freiflug liegen die Empfehlungen bei mindestens 100 cm Breite.
- Monatana Cages – Paradiso 90 (91 × 60 × 132 cm)
- Montana Cages – Madeira II (82 × 54 × 85 cm)
- Monatana Cages – San Remo III (85 × 48 × 96 cm)
Überarbeitet und mit neuen Quellen ergänzt mittels KI.
Anschaffung von Wellensittichen
- 1Die Aufnahme von Vogelsand und Grit hilft den Wellensittichen bei der Verdauung. ↩︎
