Krankheiten: Legenot

Henne mit Legenot

Allgemein

Legenot bedeutet, dass eine Henne ein Ei nicht innerhalb des normalen Zeitraums ablegen kann. Das Ei kann dabei im Eileiter oder im Bereich der Kloake festliegen. Bei Wellensittichen ist Legenot ein akuter tierärztlicher Notfall, denn der Zustand kann sich innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich verschlechtern.

Auch einzeln gehaltene Hennen können Eier legen, da für die Eiablage weder ein Partner noch eine Befruchtung erforderlich ist. Deshalb kann Legenot auch bei Hennen auftreten, die nie zur Zucht angesetzt wurden.

Symptome

Eine betroffene Henne wirkt häufig krank, erschöpft oder auffallend unruhig.

Typische Anzeichen sind:

  • Wiederholtes Pressen und Schwanzwippen, ohne dass ein Ei abgelegt wird
  • Unruhe, häufiges Umsetzen oder Rückzug auf den Käfigboden
  • Aufrechte, gestreckte „Pinguinhaltung“ oder breitbeiniges, flaches Sitzen
  • Sichtbar vergrößerter oder gespannt wirkender Bauch
  • Atemnot oder deutliches Mitatmen des Schwanzes
  • Auffallend große Kot- und Harnmengen, weil der Kot vor dem Legen zurückgehalten wird
  • Blut im Kot- oder Harnanteil
  • Kloakenvorfall, Schwäche oder Liegen auf dem Boden.

Quelle: Legenot (Kleintierpraxis in Burgdorf)

Ursachen

Legenot entsteht nicht nur durch ein ungewöhnlich großes Ei. Eine zentrale Rolle spielen die allgemeine Konstitution, die Ernährung und die Haltungsbedingungen. Besonders relevant sind ein Kalziummangel und eine unzureichende Versorgung mit Vitamin D beziehungsweise geeignetem Licht, weil Kalzium für die Eischalenbildung und die Muskulatur des Legedarms benötigt wird.

Mögliche Ursachen und begünstigende Faktoren:

  • Kalzium-, Vitamin-D-, Vitamin-E- oder Selenmangel
  • Ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis in der Fütterung
  • Weichschalige, raue, deformierte oder zerbrochene Eier
  • Entzündungen, Infektionen oder Verletzungen des Eileiters
  • Übergewicht und Bewegungsmangel
  • Sehr junge, geschwächte oder durch häufiges Legen ausgelaugte Hennen
  • Übermäßige hormonelle Stimulation, etwa durch Nistgelegenheiten, Höhlen, Nistmaterial oder dauerhafte Brutreize
  • Wiederholtes Wegnehmen frisch gelegter Eier, das weiteres Nachlegen fördern kann.
deformierte Eier

Quelle: Legenot (Kleintierpraxis in Burgdorf)

Maßnahmen durch den Halter

Bei den ersten Anzeichen einer Legenot kann oft noch eine feuchte Wärme helfen.

Dazu kann man ein feuchtes Handtuch auf den Käfigboden legen und eine Wärmelampe darauf richten, damit die Feuchtigkeit verdunsten kann.

Eine weitere Möglichkeit ist, die Kloake mit einigen Tropfen Paraffinöl gleitfähig zu machen.

In keinem Fall dürfen Versuche unternommen werden, z. B. mittels Massage, das Ei herauszudrücken. Wenn das Ei zerbricht, endet das für die Henne in der Regel tödlich.

Sollte das Ei nicht innerhalb von 2 Stunden gelegt werden, muss unbedingt ein vogelkundiger Tierarzt aufgesucht werden.

Diagnose

Die tierärztliche Untersuchung muss möglichst schonend erfolgen, weil betroffene Hennen sehr schockanfällig und geschwächt sein können.

Ein Ei kann manchmal vorsichtig ertastet werden.

Zur sicheren Abklärung und zur Unterscheidung von anderen Ursachen eines vergrößerten Bauches ist in der Regel eine Röntgenuntersuchung sinnvoll. Zwei Aufnahmen aus unterschiedlichen Ebenen helfen, Lage, Größe und Schalenstruktur des Eis zu beurteilen.

Röntgenbild einer Henne mit Legenot

Durch eine Röntgenaufnahme kann die Legenot dann von einem Tumor abgegrenzt werden, da das Ei auf einem Röntgenbild deutlich zu erkennen ist.

Behandlung

Der Tierarzt wird zuerst den Allgemeinzustand der Henne stabilisieren und danach durch eine vorsichtige Erweiterung der Kloakenöffnung versuchen, den Legevorgang zu unterstützen.

Je nach Lage des Eis und Zustand der Henne können weitere Maßnahmen bis hin zur fachgerechten Entfernung des Eis oder einer Operation erforderlich werden.

Bei Entzündungen des Legedarms kann zusätzlich eine gezielte medikamentöse Therapie nötig sein.

Ist die Henne zu geschwächt, um die Narkose zu überleben oder der Kreislauf zu schlecht, kann aber auch der Tierarzt nicht mehr helfen, weshalb es so wichtig ist, diesen rechtzeitig aufzusuchen.

Vorbeugung

Eine sichere Vorbeugung ist nicht immer möglich, das Risiko lässt sich aber deutlich senken. Entscheidend sind eine ausgewogene, bedarfsgerechte Ernährung, ausreichende Bewegung sowie das Vermeiden unnötiger Brutreize.

  • Eine kalziumgerechte Fütterung mit tierärztlich abgestimmter Ergänzung bei erhöhtem Bedarf sicherstellen.
  • Regelmäßig Zugang zu geeignetem Licht mit UV-Anteil und artgerechten Haltungsbedingungen ermöglichen.
  • Übergewicht vermeiden und tägliche Flug- und Bewegungsmöglichkeiten bieten.
  • Keine Nistkästen, dunkle Höhlen, Schlafhäuschen und Nistmaterial anbieten.
  • Bei gelegten Eiern nicht unüberlegt sofort alle Eier entfernen, da dies weiteres Nachlegen auslösen kann.

Quelle: Legenot (Kleintierpraxis in Burgdorf)

Überarbeitet und mit neuen Quellen ergänzt mittels KI.

Häufige Fragen
Was ist Legenot bei Wellensittichen?
Legenot bedeutet, dass die Henne ein Ei gebildet hat, es aber nicht oder nur mit großer Mühe ablegen kann. Oft liegt das Ei im Legedarm oder in der Kloake fest und blockiert den normalen Legemechanismus. Unbehandelt kann Legenot zu inneren Verletzungen, Kreislaufversagen und dem Tod des Vogels führen.
Woran erkenne ich Legenot?
Typische Anzeichen sind Unruhe, deutliches Pressen und eine sogenannte Pinguinhaltung mit breit abgestützten Beinen. Die Henne wirkt abgeschlagen, atmet oft schwer, sitzt aufgeplustert und versucht immer wieder, Kot oder ein Ei abzusetzen. Diese Symptome gelten als Notfall, besonders wenn sie plötzlich auftreten.
Welche Ursachen kann Legenot haben?
Häufige Ursachen sind zu große, deformierte oder weichschalige Eier, die im Legedarm stecken bleiben. Auch sehr junge, geschwächte, ausgelaugte oder übergewichtige Hennen sowie hormonelle Störungen erhöhen das Risiko. Mehrere Faktoren können zusammenkommen; die genaue Ursache kann oft nur der Tierarzt sicher feststellen und sollte als ungewiss gelten.
Was kann ich als Erste Hilfe tun?
Feuchte Wärme kann helfen, die Muskulatur zu entspannen und die Eiablage zu erleichtern. Dazu kann ein feuchtes Handtuch auf den Käfigboden gelegt und mit einer Wärmelampe angewärmt werden. Außerdem kann die Kloake vorsichtig mit einigen Tropfen Paraffinöl gleitfähiger gemacht werden, wenn der Vogel sich stressarm handeln lässt.
Was sollte ich auf keinen Fall machen?
Versuche, das Ei durch Massage oder Druck von außen herauszudrücken, sind strikt zu vermeiden. Wenn das Ei im Körper zerbricht, kann das fast immer tödliche Folgen für die Henne haben. Auch selbst durchgeführte operative oder invasive Maßnahmen sind tabu und gelten als hochriskant und unsicher.
Wann muss ich zum Tierarzt?
Wenn das Ei trotz Erste-Hilfe-Maßnahmen nicht innerhalb von etwa zwei Stunden gelegt wird, ist ein vogelkundiger Tierarzt zwingend notwendig. Der Tierarzt stabilisiert zuerst den Allgemeinzustand und versucht dann vorsichtig, die Kloakenöffnung zu erweitern und den Legevorgang zu unterstützen. Bleibt dies erfolglos, kann eine Operation nötig werden, bei der Eileiter, Eierstock und das festsitzende Ei entfernt werden.
Welche Rolle spielt Paraffinöl bei Legenot?
Paraffinöl kann den Bereich um die Kloake gleitfähiger machen und so das Durchgleiten des Eis erleichtern. Es wird nur äußerlich in wenigen Tropfen angewendet und ersetzt keine tierärztliche Behandlung.
Wie kann ich Legenot vorbeugen?
Eine gute Grundkondition der Henne ist wichtig: weder starkes Übergewicht noch deutliche Schwäche. Ausgewogene Ernährung mit ausreichend Mineralstoffen, besonders Kalzium, unterstützt eine normale Eischalenbildung. Übermäßige Brutstimulation und zu häufiges Legen sollten vermieden werden, um den Körper nicht zu überlasten.
Ist Legenot immer lebensgefährlich?
Legenot gilt grundsätzlich als Notfall, weil ein festsitzendes Ei schnell schwere Komplikationen auslösen kann. Bei frühzeitigem Erkennen und schneller Behandlung bestehen jedoch gute Chancen, dass sich die Henne erholt. Ohne Behandlung steigt das Risiko für ein tödliches Ende stark an.
Was macht der Tierarzt bei schwerer Legenot?
Zuerst wird die Henne stabilisiert, zum Beispiel durch Flüssigkeitstherapie und wärmende Maßnahmen. Danach versucht der Tierarzt, die Kloake vorsichtig zu erweitern oder das Ei unter Kontrolle zu entfernen. Ist das nicht möglich, kann eine Operation mit Entfernung von Eileiter, Eierstock und Ei nötig sein, gefolgt von einigen Tagen stationärer Pflege.
Quellen
  • D. Quinten: „Ziervogelkrankheiten“, S. 102
  • Legenot (Kleintierpraxis in Burgdorf)
  • Übersicht der Krankheiten

    Thorsten Hoeppner vom 04.07.2025
    Aktualisiert: 21.08.2026