Kurzfassung
Eine Kropfentzündung ist eine Erkrankung des Kropfes bei Vögeln. Sie entsteht meist durch Infektionen mit Bakterien, Pilzen oder Parasiten, häufig begünstigt durch Vitamin-A-Mangel oder schlechte Hygiene. Typische Symptome sind Würgen, Erbrechen und Durchfall. Die Behandlung umfasst Wärme, angepasste Antibiotikagabe nach Erregertest und Vitamin-A-Zufuhr.
Allgemein
Der Kropf ist eine eine sackförmige Erweiterung der Speiseröhre, in der Nahrung vorübergehend gesammelt und angefeuchtet wird.
Ist seine Schleimhaut entzündet oder gereizt, kann der Wellensittich unter anderem würgen, Schleim hervorbringen oder Körner erbrechen.
Umgangssprachlich wird dies oft als „Kropfentzündung“ bezeichnet. Medizinisch beschreibt der Begriff jedoch zunächst einen Befund beziehungsweise ein Symptom.
Dahinter können Infektionen, Parasiten, Fremdkörper, Schleimhautreizungen oder andere Erkrankungen stehen. Eine wirksame Therapie ist daher erst möglich, wenn die zugrunde liegende Ursache festgestellt wurde.
Quelle: Leitsymptom Kropfentzündung (Tierarzt Burgdorf)
Symptome
Ein typisches Anzeichen ist das Würgen und Erbrechen, wodurch das Kopfgefieder über kurz oder lang von dem Kropfschleim (und auch Körnern) verklebt wird.
Zusätzlich kann es auch zu einem Durchfall kommen, wenn die Keime in den Darm gelangen und sich dort ansiedeln.
Übersicht der Anzeichen:
- Würgen, häufige Schluckbewegungen oder Hochwürgen von Kropfinhalt
- Erbrechen von zähem, trübem Schleim, Futterbrei oder unverdauten Körnern
- Verklebtes Gefieder an Kopf, Schnabel oder Kehle
- Auffälliger, teils muffig-fauliger Geruch aus dem Schnabel
- Appetitlosigkeit oder erschwerte Futteraufnahme
- Gewichtsverlust und Abmagerung
- Aufgeplustertes Sitzen, Müdigkeit und Apathie
- Mitunter veränderter Kot oder Durchfall
Ursache
Die Ursachen einer Kropfentzündung sind vielfältig:
- Bakterielle Infektionen
- Hefen und andere Pilzinfektionen
- Trichomonaden und weitere Parasiten
- Macrorhabdus ornithogaster, umgangssprachlich oft „Megabakterien“ genannt
- Fremdkörper wie Fasern, Fäden, Kunststoffteile oder Metallteile
- Wiederholte mechanische Reizung des Kropfes, etwa durch häufiges Hochwürgen an Spiegeln oder Plastikvögeln
- Vorschädigungen der Schleimhaut und eine verminderte lokale Abwehr, beispielsweise bei langfristig ungünstiger Ernährung
Besonders häufig sind davon Wellensittiche betroffen, die aufgrund einer einseitigen Ernährung (kein Frischfutter) unter einem chronischen Vitamin-A-Mangel leiden und besonders anfällig für Krankheitskeime sind.
Eine der häufigsten Ursachen sind Wassernäpfe, die nicht regelmäßig gereinigt werden und besonders die vermeintlich praktischen Wasserspender, da sich dort Bakterien und Pilze besonders leicht vermehren können.
Diagnose
Für eine gezielte Diagnose kommen, abhängig vom Zustand des Vogels, folgende Möglichkeiten in Frage:
- Allgemeinuntersuchung mit Beurteilung von Gewicht und Ernährungszustand
- Kropfabstrich und mikroskopische Untersuchung
- Bei Bedarf bakteriologische Untersuchung mit Resistenztest
- Kotuntersuchung auf Parasiten und weitere Auffälligkeiten
- Röntgenuntersuchung, insbesondere bei Verdacht auf Fremdkörper oder weitergehende Erkrankungen
- Ergänzende Blutuntersuchungen oder weitere bildgebende Diagnostik bei unklaren oder schweren Fällen
Quelle: Leitsymptom Kropfentzündung (Tierarzt Burgdorf)
Behandlung einer Kropfentzündung
Die Behandlung richtet sich konsequent nach der Ursache:
- Bakterielle Infektion: Gezieltes Antibiotikum nach Erreger- und Resistenznachweis
- Parasiten: Geeignetes Antiparasitikum
- Hefen und Pilze: Antimykotikum und Behandlung begünstigender Faktoren
- Megabakteriose: Spezifische, tierärztlich überwachte Therapie und angepasste Haltung/Fütterung
- Fremdkörper: Entfernung, je nach Lage endoskopisch oder chirurgisch
Als Erste Hilfe und bis zur vollständigen Gesundung benötigt der Wellensittich zusätzliche Wärme. Dafür sollte er von einem Dunkelstrahler Tag und Nacht angestrahlt werden.
Bis die Entzündung abgeheilt ist, erhält der Wellensittich geeignetes, weiches Futter, das den Kropf nicht reizt.
Anschließend empfiehlt es sich, den geschwächten Wellensittich über mehrere Wochen wieder „aufzupäppeln“, damit er keinen Rückfall erleidet.
Vorbeugung
- Täglich frisches Wasser und konsequent gereinigte Näpfe anbieten
- Trinkgefäße mindestens 24h trocknen lassen
- Eine ausgewogene, artgerechte Ernährung anbieten und einseitige Körnerfütterung vermeiden
- Keine Spiegel oder Plastikvögel als Beschäftigung einsetzen
- Käfigeinrichtung regelmäßig auf lose Fasern, beschädigte Kunststoffteile oder andere verschluckbare Materialien prüfen
- Bei Würgen, Erbrechen oder Gewichtsverlust frühzeitig einen vogelkundigen Tierarzt aufsuchen

