Blutverlust
Definition
Blutverlust bezeichnet beim Wellensittich das Austreten von Blut aus verletzten Gefäßen oder Körperöffnungen. Wegen des sehr kleinen Blutvolumens von etwa 4–5 ml kann bereits eine scheinbar geringe Menge kritisch sein. Ein gesunder Vogel kann ungefähr 10 % seines Blutes ausgleichen – etwa 8–10 normal große Tropfen –, bei kranken oder geschwächten Tieren kann die kritische Grenze deutlich niedriger liegen.
Ursachen
Häufig entsteht Blutverlust durch äußere Verletzungen:
- Abgerissene Kralle oder Zehe
- Biss- und Schnittverletzungen
- Anflugtraumata, etwa gegen Fensterscheiben
- Verletzte Blutkiele, also nachwachsende, noch blutführende Federn
Auch Erkrankungen können Blutungen auslösen, beispielsweise Eileitererkrankungen, Legenot, Magengeschwüre sowie Geschwüre oder Zubildungen im Bereich der Kloake. Lebererkrankungen können zudem die Blutgerinnung verzögern und dadurch Blutungen verstärken.
Warnzeichen und Sofortmaßnahmen
Starke, strömende oder unstillbare Blutungen sind ein akuter Notfall. Der Wellensittich muss unverzüglich zu einem vogelkundigen Tierarzt. Während des Transports kann die Blutungsstelle mit einer sauberen Kompresse sanft und kontinuierlich komprimiert werden.
Bei einer schwachen Blutung kann die Wunde mit geeignetem blutstillendem Material, zum Beispiel einem Gelatineschwämmchen, abgedeckt werden. Blutet oder tropft die Stelle nach etwa drei Minuten weiter, ist ebenfalls tierärztliche Hilfe erforderlich.
Weitere ernstzunehmende Anzeichen sind:
- Blasse oder porzellanweiße Haut an unpigmentierten Stellen
- Apathie, auffällig viel Schlafen oder Schwäche
- Desorientierung
- Schonhaltung oder Lahmheit nach einer Verletzung
Der Vogel sollte ruhig, stressarm und sauber untergebracht werden. Blutspuren lassen sich auf hellen Tüchern besser kontrollieren. Einstreu sollte bis zum vollständigen Blutstillstand entfernt oder abgedeckt werden.
