Luftsackmilben
Definition
Luftsackmilben sind mikroskopisch kleine Parasiten der Atemwege. Ein Befall kann bei Wellensittichen zu Atemgeräuschen, Stimmveränderungen und Atemnot führen.
Die Milben durchlaufen ihre Entwicklungsstadien im Atemtrakt. Bei leichtem Befall können Vögel zunächst unauffällig bleiben. Ein starker Befall kann die Atemwege erheblich beeinträchtigen und lebensbedrohlich werden.
Symptome
Die Inkubationszeit kann Wochen bis Monate betragen. Typisch sind nachts hörbare Klick-, Knack- oder Piepsgeräusche beim Atmen.
Mögliche Anzeichen für Luftsackmilben:
- Knackende, pfeifende oder klickende Atemgeräusche
- Niesen, trockenes Würgen, Kopfschütteln oder Kopfschleudern
- Heisere Stimme, veränderte Lautäußerungen oder Stimmverlust
- Atemnot, Atmen mit geöffnetem Schnabel und sichtbares Schwanzwippen
- Nachlassende Flugleistung, rasche Erschöpfung und nächtliche Unruhe
- Bei schweren Verläufen Schwäche, verminderte Futteraufnahme und akute Atemkrise
Diese Symptome gelten nicht ausschließlich für Luftsackmilben, sondern auch bakterielle Atemwegsinfektionen, Pilzerkrankungen, Fremdkörper oder andere Erkrankungen können ähnliche Symptome aufweisen.
Diagnose
Die Diagnose stellt eine vogelkundige Tierarztpraxis anhand der Vorgeschichte, klinischen Untersuchung und Atemgeräusche. Gelegentlich können Milben durch Durchleuchten der Luftröhre sichtbar werden. Dies gelingt jedoch nicht in jedem Fall. Der Behandlungserfolg kann die Verdachtsdiagnose zusätzlich stützen.
Behandlung
Behandelt wird mit einem individuell dosierten Antiparasitikum, etwa einem Ivermectin- oder Moxidectin-Präparat.
Wiederholungen sind nötig, weil nicht alle Entwicklungsstadien zugleich sicher erfasst werden.
Die Auswahl des Mittels, Konzentration, Applikationsweg und Behandlungsintervall gehören ausschließlich in tierärztliche Hand, da kleine Dosierungsfehler bei Wellensittichen gravierende Folgen haben können.
Bei Atemnot gilt:
- Den Vogel warm, ruhig und stressarm unterbringen.
- Nicht unnötig fangen, untersuchen oder zum Fliegen animieren.
- Keine Selbstmedikation
- Bei offener Schnabelatmung, Apathie oder Bodenliegen sofort einen tierärztlichen Notdienst kontaktieren.
Sekundäre bakterielle Infektionen können durch die geschädigte Atemwegsschleimhaut begünstigt werden und erfordern gegebenenfalls eine gesonderte tierärztliche Therapie.
Übertragung
Eine Übertragung ist bei engem Kontakt möglich, beispielsweise beim Schnäbeln oder Füttern. Auch gemeinsam genutzte Trink- und Futternäpfe sowie belastete Gegenstände können zur Verbreitung beitragen.
Vorbeugung
- Neuzugänge konsequent in separatem Raum in Quarantäne halten und vor der Vergesellschaftung vogelkundig untersuchen lassen.
- Trinkwasser täglich frisch anbieten sowie Näpfe täglich gründlich reinigen.
- Sitzstangen und Einrichtung regelmäßig reinigen und bei bestätigtem Befall nach tierärztlicher Vorgabe reinigen oder ersetzen.
- Bei mehreren gemeinsam gehaltenen Vögeln alle Kontakttiere tierärztlich beurteilen lassen, auch wenn sie symptomfrei wirken.
- Gute Belüftung sicherstellen und Reizstoffe wie Rauch, Aerosole oder Duftöle aus dem Vogelraum fernhalten.
