Schnupfen (Rhinitis)
Definition
Schnupfen bezeichnet beim Wellensittich eine Entzündung der Nasenschleimhaut (Rhinitis). Er ist keine harmlose „Erkältung“ im menschlichen Sinn, sondern ein Symptom, hinter dem unter anderem Infektionen, Reizstoffe, Ernährungsfehler oder Erkrankungen der Nasennebenhöhlen stehen können.
Symptome
Typisch für Schnupfen sind Niesen, klarer bis schleimig-trüber Nasenausfluss und verklebtes Gefieder an der Wachshaut. Das Sekret kann eintrocknen, Krusten bilden und die Nasenlöcher teilweise verschließen. Betroffene Wellensittiche reiben dann häufig den Schnabel oder Kopf an Sitzstangen.
Weitere mögliche Anzeichen:
- Gerötete, geschwollene oder verstopfte Nasenlöcher
- Feuchtes oder verklebtes Gefieder im Gesichtsbereich
- Atemgeräusche, häufiges Niesen oder veränderte Stimme
- Schwellungen um Auge, Wachshaut oder im Bereich der Nasennebenhöhlen
- Mattigkeit, aufgeplustertes Gefieder, verminderte Futteraufnahme
Ursachen
Häufig sind bakterielle oder Pilzinfektionen der Nase und Nasennebenhöhlen. Auch virale Erkrankungen kommen infrage.
Bei Wellensittichen sollte insbesondere Chlamydia psittaci berücksichtigt werden, da die Infektion mit Nasen- oder Augenausfluss, Atemnot und Allgemeinsymptomen einhergehen kann und auf Menschen übertragbar ist.
Weitere mögliche Auslöser sind:
- Reizung durch Rauch, Duftsprays oder Ammoniak
- Zu trockene oder dauerhaft zu feuchte Raumluft
- Vitamin-A-Mangel, insbesondere bei langjährig einseitiger Körnerfütterung
- Fremdkörper, Verletzungen, Ablagerungen in der Nasenhöhle (Nasenkonkremente) oder Tumore
- Begleitende Sinusitis (Entzündung der Nasennebenhöhlen)
Diagnose
Je nach Befund sind Untersuchung der Nasenöffnungen, Abstriche für Zytologie, Kultur und Antibiogramm sowie gegebenenfalls PCR-Tests oder bildgebende Verfahren sinnvoll.
Ein bloßer Nasenabstrich kann ein Baustein sein, ersetzt aber nicht die klinische Einordnung.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich konsequent nach der Ursache.
Antibiotika sind nur bei entsprechendem bakteriellen Befund und möglichst nach Resistenztest angezeigt.
Bei Pilzen, Chlamydien, Fremdkörpern oder ernährungsbedingten Veränderungen ist ein anderes Vorgehen erforderlich.
Von Selbstmedikation, Humanpräparaten, ätherischen Ölen und eigenständigen Nasenspülungen ist dringend abzuraten.
Vorbeugung
Eine ausgewogene, vitamin-A-reiche Ernährung, gute Käfighygiene, saubere Näpfe und eine reizstoffarme, gut belüftete Umgebung helfen, die Schleimhäute zu schützen.
Tabakrauch, Duftkerzen, Raumsprays und aggressive Reiniger gehören nicht in die Nähe von Wellensittichen.
Bei mehreren Vögeln sollte ein erkrankter Wellensittich bis zur tierärztlichen Einschätzung möglichst getrennt betreut werden.
Bei Verdacht auf Chlamydien sind sorgfältige Hygiene und die Information des Tierarztes besonders wichtig, da es sich um eine Zoonose handelt.
