Grabmilbenbefall beim Wellensittich

Gastbeitrag von Becky & Jeannine, Wellensittiche – Zweite Chance für Notvögel

Wellensittich mit Grabmilbenbefall
Kurzfassung
Zusammenfassung

Grabmilbenbefall bei Wellensittichen wird häufig unterschätzt, kann jedoch schwerwiegende gesundheitliche Folgen wie Entstellungen, Handicaps oder sogar den Tod verursachen. Der Befall beginnt meist mit weißem Belag auf der Wachshaut und kann sich auf andere Körperregionen ausbreiten. Die Diagnose und Behandlung sollte stets durch einen fachkundigen Tierarzt erfolgen. Eigenbehandlungen werden nicht empfohlen.

Kernaussagen
  • Ansteckung meist im Kükenalter durch die Eltern beim Füttern
  • Erste Symptome: weißer Belag auf der Wachshaut, später Borken und brüchiger Schnabel
  • Diagnose über Sichtbefund und Mikroskopie durch Tierarzt
  • Behandlung erfolgt meist mit Ivomec als Spot-On, ggf. auch Stronghold
  • Schwerer, unbehandelter Befall kann zu Amputationen oder Tod führen
  • Eigenbehandlung mit Hausmitteln oder Sprays wird ausdrücklich abgeraten
  • Da leider immer wieder ein Grabmilbenbefall verharmlost wird, Tiere gar nicht oder nicht fachkundig versorgt werden und die Folgen fatal für die Tiere sein können, wollen wir euch ein paar Eindrücke und Informationen zu dem Thema geben.

    Im schlimmsten Falle sind zu spät behandelte Vögel ihr Leben lang gehandicapt, entstellt und im allerschlimmsten Fall kann ihnen nicht mehr geholfen werden und sie verenden!

    Informationen zum Grabmilbenbefall

    „Bei Wellensittichen oder Nymphensittichen zeigt sich ein Befall mit Grabmilben (Knemidokoptes plae) anfangs vor allem in der Kopfgegend. Meist hat ein Befall mit dieser Milbenart dort seinen Ursprung und breitet sich später auf die Beine und die Kloakenregion aus.“

    Zumeist erfolgt die Ansteckung der Vögel bereits im Kükenalter über die Eltern beim Füttern. Eine Ansteckung unter erwachsenen Tieren ist selten, aber nicht ausgeschlossen. Zwischen Ansteckung und Ausbruch können Jahre vergehen. Statistisch erkranken die meisten Tiere zwischen dem 6. und 12. Lebensmonat.

    Zu Beginn ist nur ein leichter weißer Belag auf der Wachshaut zu erkennen, welcher immer stärker und krustiger wird. Die ersten Borken treten meist in den Schnabelwinkeln auf. Später sind selbst mit bloßem Auge die Gänge der Milbenweibchen auf dem Schnabelhorn zu erkennen und die Substanz des Schnabelhorns wird zusehends brüchiger.

    Merkmale von Räudemilben

    Ist der Vogel in der Augenpartie, den Beinen und der Kloake befallen, verursachen die Milbenexkremente starken Juckreiz, welcher die Tiere zusätzlich belastet.

    Diagnostik

    Ein Grabmilbenbefall sollte umgehend von einem vogelkundigen Tierarzt mit Zusatzausbildung für Ziervögel behandelt werden. Der Tierarzt kann neben der augenscheinlichen Diagnostik auch mittels Lupe einen Tesa-Abklatsch von den betroffenen Stellen nehmen, um die Milben mikroskopisch nachzuweisen.

    Behandlung

    Am häufigsten erfolgt die Behandlung über „Ivomec“ in Form eines Spot-On. Wird der Grabmilbenbefall im Anfangsstadium behandelt, sind meist nur 2 Gaben des Medikaments im Abstand von 7 bis 10 Tagen nötig.

    Bei ausgeprägteren Fällen kann die Behandlung deutlich länger andauern. In solchen Fällen wäre auch eine Behandlung mit „Stronghold“ möglich (ggf. den Tierarzt danach fragen).

    Häufiger sind auch Korrekturen des Schnabels nötig. Aber auch eine Amputation von Zehen kann notwendig werden, wenn diese stark geschädigt sind.

    Schnabel mit Grabmilbenbefall
    Befallener Schnabel
    Geschädigte Füße
    Geschädigte Füße

    Erkrankt ein Tier im Schwarm, behandeln immer mehr vogelkundige Tierärzte nur noch das betroffene Tier, da das Medikament ein Kontaktgift darstellt, welches nicht unterschätzt werden sollte.

    Eigenbehandlung oder Hausmittel

    Eine Eigenbehandlung mit anderen Produkten, die frei verkäuflich zu erwerben sind, ist unverantwortlich und zögert das Leid der Vögel nur hinaus.

    Hin und wieder wird auf Seiten oder in Foren angeraten, Grabmilben mittels einer Ölbehandlung zu ersticken. Gerade bei Vogelhaltern, welche nicht mit der medizinischen Versorgung und dem Handling vertraut sind, sollte dies ausschließlich der Tierarzt übernehmen. Eine Verunreinigung des Gefieders, Augenreizung oder versehentliches Einatmen können die Situation des Tieres unter Umständen sogar noch verschlechtern.

    Ebenfalls abzuraten ist von Milbensprays, der feine Nebel kann eingeatmet werden, was der kleinen Vogellunge nicht bekommt. Auch Rückstände, die der Vogel ggf. über die Federn oder Gegenstände aufnimmt, richten unter Umständen gesundheitliche Schäden an.

    Konkreter Fall

    Beispiel für Grabmilbenbefall
    Helge war so von Grabmilben zerfressen, bei seinem Besitzer plötzlich unerwünscht und sollte abgegeben werden.
    Aber er hatte riesiges Glück, denn er fand Hilfe, Herz und Platz bei Bettina Attenberger.

    Ein Grabmilbenbefall im Anfangsstadium ist so einfach und auch finanziell überschaubar vom vogelkundigen Tierarzt zu behandeln, dass es erst recht unverständlich ist, wie man so lange zuschauen und den Zustand des Wellensittichs ignorieren kann.

    So ein Befall kommt natürlich nicht von heute auf morgen. Es ist eine lange Zeit, in der sich der Vogel unnötig quält, unruhig ist und es ihn juckt und schmerzt.

    Zu spät behandelt bedeutet ein Grabmilbenbefall den Verlust von Zehen, Füßen,
    Augenlicht, Schnabelsubstanz und im schlimmsten Fall des Lebens.

    Becky & Jeannine
    Becky & Jeannine
    Gastautorinnen dieses Beitrages

    Krankheiten: Grabmilbenbefall (Räudemilben)

    Weitere Informationen

    Milben beim Vogel (Tiermedizin-Portal) Milben bei Wellensittichen (Wellensittiche-Blog) Grabmilben (Birds-Online)