Wellensittiche in Australien

Wellensittiche in Australien

Dass unsere Wellensittiche von der Wildform in Australien abstammen dürften die meisten Haltern derselben bereits wissen, aber über ihre Lebensbedingungen und ihr Verhalten in der freien Natur ist oft nur wenig bekannt.

Steckbrief

Melopsittacus undulatus
  • Wissenschaftlicher Name: Melopsittacus undulatus
  • Vorkommen: nur in Australien
  • Länge: ~18cm
  • Gewicht: 22-32g (m) / 24-40g (w)
  • Kopf: gelb mit schwarzer Wellenzeichnung
  • Wachshaut: blau (m) / braun (w)
  • Wangenflecken: blauviolett
  • Kehltupfen: schwarz
  • Gefieder: leuchtend grün
  • Flügeloberseite: schwarz-gelbes Wellenmuster

Vorkommen & Lebensraum

Die Wildform der Wellensittiche kommt in freier Natur ausschließlich in Australien vor und sind auf fast dem gesamten Festland verbreitet. Man findet sie aber normalerweise nur im Landesinneren und eher nicht in den Küstenregionen Australiens.

Der Lebensraum der Wellensittiche befindet sich hauptsächlich in den eher trockenen Gebieten mit wenig Niederschlag1Ariade (Wüstenklima) und semiariade (saisonale Trockenzeiten) Zonen.

Dabei findet man diese in vielen unterschiedliche Lebensräumen (Habitate):

  • Sanddünen mit Stachelkopfgrasbewuchs (Triodia)
  • Melden2Artiplex– und Bluebush3Maireana– Ebenen mit vereinzeltem Baumbewuchs
  • Grasland mit spärlichem Baumbestand
  • Akazien-Buschland
  • Mallee-Strauchland mit Eukalyptus-Sträuchern (2 – 10m hoch)
  • Restbestände der ursprünglichen Baumsavanne auf Farmland
Australische Landschaft

Allerdings entfernen sich die Wellensittiche dabei nur selten weit von Wasservorkommen und wandern folglich in Trockenperioden, wenn dieselben austrocknen, in andere Gebiete ab.

Verhalten

Wellensittiche sind ausgesprochen gesellig und führen fast alle Aktivitäten als Schwarm aus.

Kleiner Schwarm mit Wellensittichen
Großer Schwarm mit Wellensittichen

Die meisten Schwärme weisen eine Größe von 10 – 100 Wellensittichen auf, wobei sich die Anzahl ständig ändern kann, da sich immer wieder neue Vögel der Gruppe anschließen bzw. diese verlassen.

Unter bestimmten Umständen kommt es aber auch vor, dass sich gewaltige Schwärme mit mehreren tausend Wellensittichen zusammen schließen.

Tagesablauf

Bereits kurz vor Sonnenaufgang werden die Wellensittiche aktiv und beginnen auf den Bäumen, die ihnen als Schlafplätze dienen, mit der Gefiederpflege oder flattern von Ast zu Ast.

Wellensittiche auf den Bäumen

Tagesanbruch

Sobald dann die Sonne aufgeht, verlassen die Wellensittiche ihre Schlafplätze entweder als kompletter Schwarm oder in viele kleineren Gruppen nacheinander.

Ihr Ziel dabei sind die Futterplätze, sich zwar gelegentlich in der Nähe der Schlafplätze befinden, oft aber auch mehrere Kilometer von diesen entfernt sein können.

Nahrungsaufnahme

Mit der Nahrungsaufnahme sind die Wellensittiche dann im Großen und Ganzen den ganzen Tag beschäftigt. Dabei laufen auf dem Boden herum und picken Samen auf oder holen sich diese direkt aus den Samenständen der vorhandenen Pflanzen.

Wellensittich bei der Futtersuche
Wellensittiche beim Fressen
Einzelner Wellensittich beim Fressen

Während des frühen Morgens und auch am Nachmittag widmen sich diese besonders eifrig der Futtersuche. In der Mittagszeit hingegen trifft man sie in kleinen Gruppen im Schatten von Bäumen bei der Nahrungsaufnahme an.

Bei kühlem oder feuchtem Wetter sind sie in der Regel den ganzen Tag mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt, wo hingegen sie sich an heißen Tagen eine ausgedehnt Mittagspause im Geäst belaubter Bäume gönnen.

Wasseraufnahme

Zwischen 7.30 – 9.00 Uhr suchen diese dann normalerweise die Wasserstellen zum Trinken auf.

Während einige Wellensittiche an der Wasserkante trinken, gibt es aber auch welche, die dazu direkt mit ausgebreiteten Flügeln auf der Wasseroberfläche landen und sich danach wieder mit heftigem Schlagen der Schwingen von dieser in die Luft erheben.

Wellensittich beim Trinken

Tagesende

Kurz vor Sonnenuntergang verlassen die Wellensittiche ihre Futterplätze im offenen Grasland und suchen mit der Abenddämmerung ihre Schlafplätze im Geäst der Bäume auf.

Allerdings dauert es manchmal noch einige Zeit bis endlich Ruhe einkehrt, da Wellensittiche noch von Ast zu Ast oder auch von Baum zu Baum fliegen.

Nahrung

Wellensittich gelten als Nahrungsspezialisten und ernähren sich von den kleinen Samen40,5mm – 2,5mm / 0,36mg – 1,33mg der Bodendeckerpflanzen5Samen von 21 – 39 Pflanzenarten.

Diese Samen werden in der Regel entspelzt, unzerkleinert geschluckt und im Kropf zwischengelagert.

Vor allem während der Brut werden vermutlich auch größere Mengen an Grünfutter6laut J. M. Forshaw war die Gabe von Grünfutter der Schlüssel zum Bruterfolg bei Brutpaaren der Wildform. aufgenommen.

Bodendeckerpflanzen

Fortpflanzung

Auch hier ist eine Anpassung der Wellensittiche an die unvorhersehbaren Umweltbedingungen in ihrem Lebensraum in Australien zu erkennen.

Als opportunistische Brüter können diese zu jeder Jahreszeit mit dem Nisten beginnen, sobald durch ergiebige Regenfälle, die eine Trockenperiode beenden, ausreichend Wasser und Nahrung zur Verfügung steht.

Für den erfolgreichen Abschluss des Fortpflanzungszyklus, also von der Auswahl einer Nisthöhle, bis zum Ausfliegen der Jungvögel, müssen die günstigen Umweltbedingungen für mindestens 3 Monate anhalten.

Der Weg von Australien zu uns

Das erste Wellensittich-Pärchen wurde 1840 von einem bekannten Vogelkenner, einem Herrn Gould, von Australien nach England gebracht.

Nach Deutschland kamen sie dann in den 50er Jahren, indem ca. 500 Exemplare nach Berlin gebracht wurden und sich von dort schnell verbreiteten.

Der allererste Zuchtversuch in Deutschland gelang 1855 einer Dame, der Gräfin Schwerin.

Wellensittichhaltung um 1930

Erste Berichte über eine blaue Farbvariante stammte aus Belgien und in den 90er Jahren tauchte diese auch in Frankreich auf.

Im Jahr 1910 tauchten einzelne Exemplare dieser noch seltenen Farbgebung bereits mehrfach auf und durch planmäßiges Züchten entstand bald eine konstante Farbvariation.

Später entstanden die ersten weißen Wellensittiche, also Albinos mit roten Augen, aus Kombinationszüchtungen.

Inzwischen gibt es so zahlreiche Farbschläge in den unterschiedlichsten Farben mit Ausnahme von Rottönen, da den Wellensittich bekanntermaßen das entsprechen Gen für den rote Gefiederfarbstoff fehlt.

  • Joseph M. Forshaw: “Australische Papageien” – Band 2, S. 631ff.
  • J. Weege und B. Ragotzi: “Wellensittich – Wundervogel” (1937), S. 74ff.
  • Jim Oatley, Alice Springs, NT, Australia, Northern Territory (Budgies and Bush Birds)
Jim Oatley
Fotografien aus Australien

Jim Oatley – Australien (Northern Territory)

Die Fotos wurden mir freundlicherweise von Jim Oatley für meinen Artikel zur Verfügung gestellt.
Mehr von seinen fantastischen Fotos und Videos findet man auf “Budgies and Bush Birds.

Weiterführende Informationen:


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