Mauser beim Wellensittich

Emil in der Mauser

Grundlagen

Ähnlich wie die Haare des Menschen bestehen die Federn aus Horn, einem “toten” Material, dass sich nicht regenerieren kann. Wie man sich sicher vorstellen kann, unterliegen die Federn eines Wellensittichs einer starken Abnutzung oder können auch mal beschädigt werden.

Nachdem sich die Feder, wie bereits erwähnt, nicht regenerieren können, ist es notwendig diese abgenutzten oder beschädigten Federn regelmäßig zu erneuern. Diesen Vorgang des Abwerfens alter und dem Nachwachsen neuer Federn nennt man “Mauser“.

Im Gegensatz zu anderen Vogelarten, wie z.B. Enten, wechseln Wellensittiche und andere Papageienvögel das Gefieder nicht zu bestimmten Jahreszeiten, sondern ersetzen die verschiedenen Federn nacheinander mehr oder weniger über das ganze Jahr hinweg. Bei den wilden Wellensittich in Australien findet die Mauser in der Regel allerdings außerhalb der Brutperiode statt, da eine solche Doppelbelastung diese verständlicherweise zu sehr schwächen würde.

Symptome

Das deutlichste Zeichen sind die Federhülsen, die man dann im Gefieder entdecken kann. Diese lassen den Wellensittich oft etwas stachelig erscheinen,

In den sogenannten Federhülsen ( = umgebende Hornschicht) befinden sich die nachwachsenden Federn.

Während der Mauser kratzen, picken und putzen sich die Wellensittiche vermehrt, um die neuen Federn von der umgebenden dünnen Hornschicht (Federhülsen) zu befreien und verhalten sich allgemein auch etwas ruhiger.

Federhülsen

Ablauf der Mauser

Um stets flugfähig zu bleiben, wechseln Wellensittiche nie alle Federn gleichzeitig, sondern immer nur bestimmte Teile ihres Gefieders. Ein Mauser-Zyklus, also der komplette Wechsel des Gefieders, dauert somit etwa 9 Monate.

Die Dauer der einzelnen Abschnitte der Mauser hängt somit von der Größe der aktuell abgeworfenen Federn ab und kann somit zwischen 3 Wochen und 2 Monaten varieren.

  • Daunen- und Deckfedern: 3 Wochen
  • Schwungfedern: 4 bis 6 Wochen
  • Schwanzfedern: 2 Monate

Normale Mauser

Zu Beginn eines Abschnittes der Mauser lockern sich die entsprechenden Federn und fallen aus. Die Wellensittiche unterstützen dabei diesen Prozess, indem sie lockere Federn mit dem Schnabel herausziehen.

Anschließend bildet sich eine neue Feder. Diese stecken anfangs in einer Federhülse (dünne Hornschicht) und werden stark durchblutet, damit sie mit den zum Wachstum benötigen Nährstoffen versorgt werden können.

Mit dem Voranschreiten des Wachstumsprozesses werden dann die Blutgefäße immer weiter zurückgebildet. Die fertige Feder enthält dann keine Blutgefäße mehr und weist einen hohlen Schaft auf.

Die Mauser stellt für den Wellensittich einen kräftezehrenden Prozess dar und dieser hat in dieser Zeit einen erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf, was bei der Ernährung dieses berücksichtigt unbedingt werden sollte.

Für alte, kranke oder geschwächte Wellensittiche kann auch die normale Mauser eine große Belastung darstellen und sie sind in dieser Zeit besonders anfällig für Krankheitserreger.

Jugendmauser

Für einen jungen Wellensittich ist die Jugendmauser, die er im Alter von etwa 3 – 7 Monaten durchläuft, die erste Mauser seines Lebens und er wechselt in dieser Zeit einmal sein komplettes Gefieder.

Man könnte die Jugendmauser auch mit der Pubertät beim Menschen vergleichen, da der Wellensittich dabei nicht nur sein Aussehen verändert, sondern auch geschlechtsreif wird.

Die deutlichste Veränderung im Aussehen ist der Rückgang der Wellenzeichnung am Kopf von der Wachshaut bis zum Hinterkopf. Zudem kann sich je nach Farbschlag des Wellensittichs auch die Farbe der Wachshaut ändern (bei Hähnen zu blau oder rosa bzw. bei Hennen zu braun).

Ernährung & Unterstützung

Aufgrund des erhöhten Energie- und Nährstoffbedarfes während der Mauser ist es gegebenenfalls notwendig die Ernährung der Wellensittiche entsprechen anzupassen bzw. zu ergänzen.

Energiebedarf

Der erhöhte Energiebedarf lässt sich leicht mit der zusätzlichen Gabe von Hirse oder durch die Verwendung einer energiereicheren Körnermischung decken.

Nährstoffbedarf

Neben Vitaminen und Mineralstoffen werden zur Gefiederbildung vor allem Kieselsäure, aber auch Zink und schwefelhaltige Aminosäuren benötigt.

Nährstoffe für die Mauser

Frischfutter

Besonders wichtig ist in der Mauser die Gabe von geeignetem Frischfutter, da dieses besonders viele der benötigten Nährstoffe enthält.

Besonders geeignet sind dabei:

Gemüse:
  • Salatgurke und Fenchel (v.a. Kieselsäure)
  • Brokkoli (viele Nährstoffe)
  • Karotte (wichtige Mineralstoffe)
Kräuter:
  • Vogelknöterich (v.a. Kieselsäure)
  • Spitzwegerich, Breitwegerich, usw. (v.a. Kieselsäure, schwefelhaltige Aminosäuren)
  • Brennnessel, Vogelmiere, Löwenzahn (Mineralstoffe & Vitamine)
Sonstiges:
  • halbreife bzw. reife Hirse (Kieselsäure & Energie)
  • Golliwoog (Mineralien & Vitamine)
  • Keimfutter (reich an Vitaminen)

Unterstützende Präparate

Währende der Mauser kann es sinnvoll sein, unterstützend geeignete Präparate mit den benötigten Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen einzusetzen.

Ein bewährtes und auch oft von Tierärzten empfohlenes Produkt wäre z.B. “Korvimin ZVT + Reptil” oder als zuckerfreie Alternative “PRIMUS VITAL“.

Von handelsüblichen “Mauserhilfen” ist eher abzuraten, da diese in der Regel eher wenig hilfreich sind und oft auch unerwünschte Inhaltsstoffe enthalten (siehe “Mauserhilfe“).

Mögliche Probleme

Mangelernährung

In der Mauser hat der Wellensittich einen erhöhten Nährstoffbedarf. So wird für die Gefiederbildung neben Mineralstoffen und Vitaminen, vor allem Kieselsäure benötigt (vgl. Haare beim Menschen).

Stehen dem Wellensittich, z.B. durch einseitige bzw. unzureichende Ernährung, die benötigten Nährstoffe nicht in ausreichender Menge zur Verfügung, wirkt dieser müde und lustlos. Zudem ist er in diesem Zustand besonders anfällig für Krankheitserreger und es kann auch zu Mauserstörungen, wie z.B. zu einer Stockmauser kommen.

Blutungen & Blutkiele

Im Gegensatz zu den ausgewachsenen Federn, die ausschließlich aus Horn bestehen, ist der Schaft von nachwachsenden Federn noch gut durchblutet. Sichtbar wird das teilweise bei den sogenannten Blutkielen, bei denen Federhülsen auf Grund er Durchblutung rot erscheinen.

Brechen im Wachstum befindliche Federn ab, kann es folglich zu starken Blutungen kommen, die unter Umständen auch lebensbedrohlich sein können. Es empfiehlt sich also für den Notfall ein blutstillendes Mittel zur Hand bzw. in der Erste-Hilfe-Box zu haben.

Stockmauser

Symptome

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