Krankheiten: Megabakteriose

Megabakteriose

Allgemein

Die umgangssprachlich weiterhin häufig als Megabakteriose bezeichnete Erkrankung wird durch den Hefepilz Macrorhabdus ornithogaster verursacht.

Die Bezeichnung „Megabakterien“ ist historisch entstanden, weil der Erreger zunächst irrtümlich für ein außergewöhnlich großes Bakterium gehalten wurde.

Eine Infektion bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass ein Vogel unmittelbar erkrankt. Manche Tiere bleiben über längere Zeit symptomfrei, können den Erreger aber zeitweise ausscheiden.

Bei erwachsenen Vögeln erfolgt die Weitergabe der sogenannten „Megabakterien“ bei der Partnerfütterung und bei Nestlingen bei der Fütterung durch die Elterntiere.

Leider kommen auch symptomfreie Wellensittiche als Überträger des Erregers infrage.

Symptome

Wie die Bezeichnung Going-light-Syndrom bereits vermuten lässt, zeigen die betroffenen Tiere trotz gesteigerter Nahrungsaufnahme eine zunehmende Gewichtsabnahme und werden somit immer leichter („Going light“).

Weitere Symptome sind:

  • auffällig hervortretendes Brustbein
  • aufgeplustertes Gefieder und verminderte Aktivität
  • Erbrechen, Hochwürgen oder Ausspucken von Körnern
  • vermehrte Sandaufnahme
  • Durchfall oder veränderter Kot
  • unverdaute Körner im Kot, besonders im fortgeschrittenen Stadium
  • Kropfentzündung

Die Megabakteriose hat einen chronischen Krankheitsverlauf, wobei akute Schübe sich mit manchmal wochenlangen Perioden ohne Beschwerden abwechseln.

Im fortgeschrittenen Stadium magern die betroffenen Wellensittiche immer weiter ab, bis sie schließlich an Entkräftung sterben.

Ursachen

Wie erfolgt die Ansteckung?

Eine Ansteckung ist insbesondere durch engen Kontakt möglich, etwa beim Schnäbeln und bei der Partnerfütterung. Auch Elterntiere können Nestlinge beim Füttern infizieren. Neu aufgenommene, äußerlich gesund wirkende Vögel können den Erreger in einen vorhandenen Bestand eintragen.

Welcher Erreger ist verantwortlich?

Die eigentliche Ursache für diese Erkrankung sind relativ große, stäbchenförmige Keime, die sogenannten Megabakterien, im Drüsenmagen.

Auch wenn diese Keime anfangs als „Megabakterien“ bezeichnet wurden, handelt es sich dabei eigentlich um einen Pilz (Macrorrhabdus ornithogaster).

Die Erreger können jahrelang in geringer Zahl die Magenwand besiedeln, ohne dass Symptome irgendeiner Art auftreten.

Megabakterien

Wann bricht die Krankheit aus?

Für das Ausbrechen der Erkrankung sind offenbar insbesondere Stresssituationen verantwortlich:

  • Stress durch Transport, Umgebungswechsel oder Vergesellschaftung
  • Verlust des Partnervogels
  • Mauser
  • Aufzucht von Jungvögeln
  • andere Erkrankungen oder chronische Belastungen
  • ungeeignete Haltungs- und Fütterungsbedingungen

Dabei müssen aber mehrere Faktoren (multifaktorielles Geschehen) zusammenkommen, die ein Zusammenbrechen der Immunabwehr des Vogels zur Folge haben und somit eine unkontrollierte Vermehrung des Erregers ermöglichen.

Diagnose

Ein Verdacht ergibt sich vor allem aus dem typischen Krankheitsbild, insbesondere bei Abmagerung trotz Fresslust.

Der Nachweis erfolgt in der Regel durch die mikroskopische Untersuchung von frischem Kot oder geeigneten Abstrichen. Eine spezielle Färbung kann die großen, stäbchenförmigen Hefezellen sichtbar machen.

Eine einzelne negative Kotprobe schließt eine Infektion jedoch nicht zuverlässig aus. Macrorhabdus ornithogaster wird nicht kontinuierlich ausgeschieden. Bei begründetem Verdacht können deshalb wiederholte Untersuchungen erforderlich sein.

Röntgenaufnahmen können ergänzend Hinweise liefern, beispielsweise auf Veränderungen oder eine Erweiterung des Drüsenmagens.

Behandlung der Megabakteriose

Bei akuten Schüben wird für mindestens 5–6 Tage das Medikament „Ampho-Moronal“ verabreicht. Dabei wird die Suspension über eine Knopfkanüle direkt in den Kropf gegeben.

Der Wirkstoff „Amphotericin“ wirkt nur auf der Oberfläche der Schleimhaut im Verdauungstrakt und wird dabei nicht resorbiert (wäre sonst hochgiftig). Dadurch können allerdings die Keime, die sich innerhalb der Schleimhaut des Magens befinden, nicht erreicht und abgetötet werden.

Nachdem dadurch eine vollständige Eliminierung des Pilzes (bzw. der Keime) nicht möglich ist, handelt es sich hierbei leider um eine chronische Erkrankung, womit die Patienten in unterschiedlich großen Abständen immer wieder behandelt werden müssen.

Zudem bringt bei akuten Schüben auch eine symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln eine Linderung der Beschwerden.

Um das Körpergewicht wieder aufzubauen, kann man den betroffenen Vögeln zusätzlich Kolbenhirse anbieten, die von den Patienten meist gerne angenommen wird.

Zudem sollte man diesen eine Wärmelampe (Dunkelstrahler) zur Verfügung stellen (auch in beschwerdefreien Phasen). Durch diese Wärmequelle wird das Immunsystem gestärkt und eine allzu schnelle Gewichtsabnahme verhindert.

Weitere Empfehlungen sind:

Eine eigenmächtige Behandlung mit Medikamenten, Trinkwasserzusätzen oder säurehaltigen Mitteln ist nicht empfehlenswert. Insbesondere bei geschwächten Wellensittichen können falsche Konzentrationen, verzögerte Diagnostik oder zusätzlicher Stress den Zustand verschlechtern.

Prognose

Die Macrorhabdiose kann chronisch verlaufen. Phasen mit deutlichen Beschwerden können sich mit beschwerdeärmeren Zeiten abwechseln. Eine vollständige und dauerhafte Eliminierung des Erregers ist aber nicht möglich.

Viele Wellensittiche können bei frühzeitiger Diagnose, passender Behandlung und optimierten Haltungsbedingungen über längere Zeit stabil bleiben. Entscheidend ist, Rückfälle möglichst früh zu erkennen, womit bereits geringe, wiederholte Gewichtsverluste ernst genommen werden sollten .

Ernährung und Hygiene

Es wird empfohlen, bei Macrorhabdiose zuckerhaltige Nahrungsmittel zu vermeiden und die Fütterung anzupassen.

Eine pauschale „Megabakterien-Diät“ gibt es jedoch nicht. Gerade abgemagerte Vögel haben einen individuell erhöhten Energie- und Nährstoffbedarf. Futteränderungen sollten deshalb mit einem vogelkundigen Tierarzt abgestimmt werden, statt Futtergruppen ohne fachliche Begleitung radikal zu streichen.

Überarbeitet und mit neuen Quellen ergänzt mittels KI.

Häufige Fragen
Was ist Megabakteriose beim Wellensittich?
Megabakteriose, auch Going-light-Syndrom genannt, ist eine chronische Erkrankung des Magens beim Wellensittich. Die sogenannten „Megabakterien“ besiedeln die Magenwand und stören die Verdauung. Trotz des Namens handelt es sich wahrscheinlich um eine Pilzinfektion. Die Krankheit kann lange unbemerkt im Körper bleiben und dann in Schüben ausbrechen.
Wie steckt sich ein Wellensittich mit Megabakteriose an?
Die Erreger werden vor allem über Futter weitergegeben, das ein Vogel dem anderen hochwürgt (Partnerfütterung). Nestlinge können sich bei der Fütterung durch die Elterntiere anstecken. Auch scheinbar gesunde Vögel ohne Symptome können den Erreger übertragen. Deshalb kann Megabakteriose unbemerkt in einem Bestand vorhanden sein.
Welche Symptome zeigen Wellensittiche mit Megabakteriose?
Typisch ist, dass der Vogel viel frisst, aber trotzdem immer weiter abnimmt („Going Light“). Weitere Anzeichen sind aufgeplustertes Gefieder, Durchfall, vermehrte Sandaufnahme und das Hochwürgen sowie Ausspucken von Körnern. In einem fortgeschrittenen Stadium finden sich unverdaute Körner im Kot. Ohne Behandlung kann der Vogel stark abmagern und schließlich an Entkräftung sterben.
Wie verläuft die Krankheit – ist sie immer chronisch?
Megabakteriose verläuft in der Regel chronisch. Das bedeutet: Es gibt akute Schübe mit deutlichen Beschwerden, die sich mit Wochen ohne sichtbare Symptome abwechseln können. Die Erreger können jahrelang in geringer Zahl in der Magenwand sitzen, ohne dass der Vogel krank wirkt. Ein vollständiges Ausheilen ist nach heutigem Wissensstand meist nicht möglich, die Erkrankung bleibt daher lebenslang bestehen.
Was löst einen akuten Schub der Megabakteriose aus?
Oft spielen Stressfaktoren eine wichtige Rolle, etwa Mauser, Mangelernährung, Überbelegung des Käfigs oder der Verlust des Partnervogels. Meist müssen mehrere dieser Faktoren zusammenkommen, damit die Immunabwehr einbricht. Dann können sich die Erreger unkontrolliert vermehren und Symptome auslösen. Die genaue Bedeutung einzelner Auslöser ist noch nicht in allen Punkten sicher geklärt.
Wie wird Megabakteriose beim Wellensittich behandelt?
Bei akuten Schüben wird häufig Ampho-Moronal mit dem Wirkstoff Amphotericin eingesetzt. Die Suspension wird über eine Knopfkanüle direkt in den Kropf gegeben und wirkt nur an der Schleimhautoberfläche des Verdauungstrakts. Zusätzlich kann eine symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln die Beschwerden lindern. Eine vollständige Eliminierung der Erreger ist mit dieser Therapie meist nicht möglich, daher sind wiederholte Behandlungen nötig.
Kann Megabakteriose vollständig geheilt werden?
Nach aktuellem Stand gilt Megabakteriose als nicht vollständig heilbar, sondern als chronische Erkrankung. Die Medikamente können die Erregerzahl senken und akute Schübe abschwächen, erreichen aber nicht alle Keime in der Magenwand. Dadurch bleibt immer ein Restbestand im Körper, der wieder aktiv werden kann. Eine echte „Heilung“ ist daher ungewiss und sollte als eher unwahrscheinlich betrachtet werden.
Wie kann man einen erkrankten Wellensittich zu Hause unterstützen?
Wichtig sind Ruhe, Stressvermeidung und eine hochwertige, zuckerfreie Ernährung. Zum Wiederaufbau des Körpergewichts kann man zusätzliche Kolbenhirse anbieten. Eine Wärmelampe (Dunkelstrahler) hilft, das Immunsystem zu stärken und eine schnelle Gewichtsabnahme zu verhindern. Geeignet sind auch vitamin-A-reiches Frischfutter (zum Beispiel Vogelmiere) und ein zuckerfreies Mineralstoff- und Vitamin-Präparat.
Quellen
Weitere Informationsquellen

Übersicht der Krankheiten

Thorsten Hoeppner vom 19.06.2021
Aktualisiert: 11.08.2026